2punkt0-automotive | Saisonfinale für 2.0 Automotive am 14. Oktober 2018: Marc Hessel und Frank Schmickler feiern emotionales Klassentreffen.

Saisonfinale für 2.0 Automotive am 14. Oktober 2018: Marc Hessel und Frank Schmickler feiern emotionales Klassentreffen.

Beim siebten und abschließenden Wertungslauf der Tourenwagen Classics 2018, kurz TWC, feierten 33 Teams anlässlich des Saisonfinales der DTM auf dem Hockenheimring ein rauschendes Fest. Eine Vielzahl ehemaliger Piloten aus der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft in ihrer klassischen Form bis 1996 griff noch einmal in die Volants. Mit dabei: Marc Hessel mit dem 1988 eingesetzten BMW M3 E30 2.3 von 2.0 Automotive aus Düsseldorf. Erstmals trat der BMW-Junior des Jahre 1987 gemeinsam mit einem guten, alten Bekannten an: Frank Schmickler aus Köln. Das Duo war Mitte der achtziger Jahre in der Formel Ford 1.600 als Teamkollegen unterwegs. Eine fulminante Aufholjagd vom 33. Startplatz blieb indes unbelohnt.

Die Schlagzeilen:

Klassentreffen: Nach Christian Menzels verletzungsbedingtem Startverzicht feierte Frank Schmickler seinen Einstand im Düsseldorfer Team 2.0 Automotive an der Seite Marc Hessels – und der Joker stach erneut.

Stringentes Reglement: Eine Geschwindigkeitsübertretung von 24 km/h während einer Neutralisationsphase in der „Parabolica“ führt zur Rückversetzung um zehn Startplätze – nach dem guten 18. Trainingsrang.

Unbelohnte Aufholjagd: Die DTM-Altmeister Marc Hessel und Frank Schmickler bringen den BMW M3 E30 2.3 Gruppe bis auf den sechsten Rang nach vorne, halten sich dort – und bleiben in der Schlussrunde stehen.

Der Joker sticht: Das war die Schlagzeile, mit der sich Frank Schmickler am 6. Mai 1990 beim vierten Lauf der DTM in der Tourenwagen-Bundesliga zurückmeldete. Zwei Jahre zuvor hatte er schon einmal eine komplette Saison mit einem Zakspeed-BMW M3 bestritten. Bestes Einzelergebnis: der vierte Rang beim Flugplatzrennen Wunstorf bei Hannover 1988. Vier Jahre zuvor stieg „Schmicki“, der Sohn eines Kölner Karosseriebauers, in den Automobilsport ein. Im ISA-Racing-Rennstall von Peter Kroeber aus Linsengericht traf er auf den Bonner Marc Hessel. 34 Jahre später feierten die Weggefährten auf dem Hockenheimring ein Wiedersehen. Der Anlass: das Saisonfinale der Tourenwagen Classics. Eigentlich hätten sich Marc Hessel und Christian Menzel den BMW M3 E30 von 2.0 Automotive aus Düsseldorf teilen sollen, doch eine Woche wurde der Kelberger Menzel Opfer einer unverschuldeten Kollision am Steuer des Wochenspiegel-Ferrari F488 GT3 in der VLN, der Langstrecken-Meisterschaft Nürburgring. Nachdem er die Nacht nach dem Rennen im Adenauer Krankenhaus verbracht hatte, stand fest. Eine Woche später würde er nicht wieder das Lenkrad eines professionellen Renntourenwagens in die Hände nehmen können. So kam Frank Schmickler zum Einsatz. Der Rosrather, nach seinem Ausstieg aus der DTM Ende der Saison 1994 lange Jahre im Porsche-Lager als Rennfahrer und Coach aktiv, steht mit 2.0-Teamchef Sebastian Küppers seit den Sommermonaten im Kontakt.

Auf dem Hockenheim angekommen, kam es zum großen Wiedersehen der alten Weggefährten aus der Formel Ford 1.600. Marc Hessel stellte fest: „Franks Vater hatte ich sicher seit 29 Jahren nicht mehr gesehen – das muss in der Deutschen Formel-3-Meisterschaft 1989 gewesen sein, in der wir beide an den Start gingen. Frank war Michael Schumachers Teamkollege bei Klaus Trella und Wilhelm F. Weber, ich hingegen startete im eigenen Team HC Hessel Motorsport.“ In zahlreichen  Details verbessert zeigte sich der BMW M3 E30 von 2.0 Automotive, der in der stark frequentierten Klasse 3 für Tourenwagen der Gruppe A startet. Aufgrund einer Vielzahl leistungsstärkerer Klasse-1- und Gruppe-H-Boliden im 34-Wagen-Starterfeld war im Gesamtklassement mit keinem einstelligen Rennergebnis zu rechnen – eigentlich. Im Qualifying bestätigten Marc Hessel und Frank Schmickler diese Prognose mit dem 18. Gesamtrang und dem fünften Klassenrang. Während einer Neutralisationsphase, hervorgerufen durch den Einschlag des Opel-Piloten Gerhard Füller, kam es in der „Parabolica“ zu einem Missverständnis. Bei einem Tempolimit von 80 km/h ließ Marc Hessel, zu diesem Zeitpunkt am Volant, den M3 unter gelben Flaggen um den Kurs rollen – traditionell ohne Tachometer im Cockpit. Im guten Glauben, mit den geforderten 80 km/h um den Hockenheimring zu rollen, legte er in Wirklichkeit 104 km/h vor. Die Sportkommissare ahndeten dies mit einer Zurückversetzung um zehn  Plätze in der Startaufstellung. Dennoch blieb der Team Spirit von diesem folgenreichen Missverständnis ungetrübt, zumal Martin Stranzl als Patron des Rheinländer Rennstalls zugegen war. Der Fußballprofi tauchte wie zigtausend andere in die Atmosphäre des voll besetzten Hockenheimrings ein und ließ sich von der Hochstimmung im Indian Summer mittragen.

Das galt auch für den Rennsonntag, den Marc Hessel als Stamm- und Startfahrer als erster anging. „Ich hatte Frank Schmickler in den Zeittrainings die meiste Rennstreckenzeit überlassen, um ihm die Chance zu geben, sich auf das Auto einzuschießen – schließlich hat er 30 Jahre nicht mehr in einem solchen M3 in Gruppe-A-Konfiguration gesessen“, kommentierte der Wahl-Süddeutsche, „außerdem haben wir zum Saisonfinale noch einmal den Reifenhersteller gewechselt. Mit Dunlop haben wir nun ein dynamisches und gleichzeitig sehr ausgewogenes Gesamtpaket geschnürt, unsere Arbeit an den Feinheiten trägt mehr und mehr Früchte!“ Im Verlauf der Startrunde machte der altgediente Kämpfer aus dem Formel-Rennsport der achtziger Jahre 16 Positionen gut und tauschte den 28. Startplatz gegen die zwölfte Position ein, schon bald boxte er sich bis auf den sechsten Gesamtrang nach vorne! Als „Schmicki“ nach dem obligatorischen Wechselfenster das Lenkrad übernahm, blieben der starke Eindruck und auch der sechste Platz bestehen – bis in der Schlussrunde das Gaspedal brach: der Ausfall auf den letzten Metern. Für Marc Hessel reichte es in der Schlussabrechnung zwar noch zum dreizehnten Tabellenplatz, sein Stammpartner Christian Menzel hatte in weniger Rennen punkten können, dennoch zog nicht nur er ein emotionales Fazit: „Wir haben uns exakt an das Reglement der DTM-Gruppe A auf dem Stand von 1988 gehalten und sind immer besser in Fahrt gekommen. Darauf können wir im kommenden Jahr aufbauen, unsere Erfahrungswerte kann uns niemand mehr nehmen!“ Sebastian Küppers, operativer Teamchef, ergänzte: „Das war Wahnsinn – leider auch der Grund unseres Ausfalls wieder einmal. Mehr Neuteile kann man eigentlich nicht mehr einbauen, trotzdem passieren uns die kuriosesten Defekte. Allmählich können wir das nur noch als Wink des Schicksals nehmen – wir kassieren in diesem Jahr alles Pech der Welt, um in der kommenden Saison ganz ohne Kuriositäten durchzufahren und um den Meistertitel zu kämpfen. Dass ein anderer Klasse-3-Tourenwagen in der Gesamtabrechnung auf den dritten Rang nach vorn gefahren ist, stimmt uns natürlich zuversichtlich. Fest steht so oder so, dass ich unendlich stolz auf mein Team bin, das niemals aufgegeben und in jeder Situation versucht hat, das Unmögliche möglich zu machen. Mit unserem Konzept einer reinen Profi-Fahrermannschaft waren wir die große Ausnahme im Feld der ProAm-Kombinationen, auch das wird sich mittelfristig auszahlen.“

Mit dem siebten Wertungslauf, ausgetragen auf dem Hockenheimring, endete das Rennprogramm der Tourenwagen Classics 2018.

Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome Netzwerkeins

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